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Headfuck

Freitag, 17. Juli 2009

Wie ein unerwarteter Schlag

in den Magen befällt mich eine leichte Angst.

Nachdenklichkeit ausgelöst durch einen eigentlich wunderbaren Grillabend im Garten eines Freundes. T. und A. haben also einen Sohn. Seit wenigen Monaten. Die ersten in meinem näheren Freundes- und Bekanntenkreis.
Mit brutaler Deutlichkeit drischt das Erwachsenwerden auf mich ein. Immer mehr Freunde scheinen es ernst zu meinen: Freundin oder Freund, Heirat oder Kind.
Ich stehe weiterhin abseits, Schwuchtel, unfähig, das Alleinsein zu beenden.

Das geht mir alles zu schnell, der kleine Fratz kann nichts dafür, aber die letzten anderthalb Jahre übertrieben es ein wenig hinsichtlich den glücklichen Menschen in meiner Umgebung. Könnte mal jemanden die Uhr um ein paar Jahre zurückdrehen, mir ne Packung konzentriertes Selbstvertrauen einflößen und wenigstens einen Teil meiner Kontakthemmungen, Komplexe und Gefühlskälte irgendwie ausschalten?
Wäre toll, danke sehr.

Klar, das ist Rumheulen auf hohem Niveau, selber Schuld, dass ich die schwule Szene links liegen und mich um andere Sachen gekümmert habe, dass ich nicht mehr durch die Gegend gevögelt und Typen kennengelernt habe. Wäre auch besser gewesen, sich nicht Hals über Kopf in Heteros zu verlieben.
Und was ist mit den Online-Dates, warum ist es zu schwierig, über einmalige Treffen hinaus zu gehen?
Ich brauch wohl nen Flirt-Kurs oder besser gleich nen Therapeuten.

Der Kleine hört auf zu brüllen, wenn man ihn nicht auf dem Schoß liegen lässt, sondern ihn gerade aufrichtet. Er hat winzige Händchen, große Augen in einem großen Kopf, wirklich niedlich, auch wenn ich mit Kindern sonst nicht viel anfangen kann.

Dann zwei Gedanken, von denen ich nicht dachte, dass sie mich so aus der Bahn werfen können, von denen ich nicht dachte, dass sie mich ungewollt immer wieder heimsuchen:
Was ist, wenn ich alleine alt werde? Und, so wie sie mir auch schon mal von guten Freunden gestellt wurde: Möchte ich eigentlich mal Kinder haben?

Irgendwie wehre ich mich, darüber nachzudenken. Es fällt mir nicht leicht.

Dienstag, 14. Juli 2009

Gedanken im Dreieck

Erstaunlich wie sich das Bloggen in meinen Alltag einschleicht. Ich erwische mich dabei, unterwegs im Kopf Texte vorzuformulieren. Eigentlich erschreckend, wie man Erlebnisse in Gedanken als blogtauglich einstuft oder eben nicht.

Das ganze ähnelt ja schon auch einem Seelen-Striptease, einem klassischen, nie geschriebenen Tagebuch - nur, dass es jeder mitlesen kann.

Frage: Interessiert es irgendjemanden? Antwort: Na klaro, ich lese gerne Geschichten und Gedanken anderer, es ist deutlich interessanter als so manche Belletristik irgendwelcher verkopfter Schöngeister mit Fölliton-Schleim am Arsch.

Während meiner Schulzeit vor einigen Jahren und davor interessierten mich die Geschichten meiner Eltern und Großeltern kein Stück, inzwischen ist das anders, ich möchte wissen was sie bewegt und bewegt hat und in einigen Momenten sitze ich da und bedauere, dass das mündliche Überliefern von Geschichten über Generationen hinweg so nicht mehr existiert und wir uns stattdessen täglich den zugegebenermaßen gutgemachten Ersatz aus der Unterhaltungsindustrie reinziehen, deren Ideen aber nie an die Absurditäten der Realität heranreichen können, da wir die absurden Stories, die verbreiteten Mythen gar nicht alle kennen können, auch wenn sie verbogene Varianten ihres Ursprungs sind - aber was ist schon Realität, wir werden ständig von allen Seiten mit angeblicher Realität zugeballert und wenn man verschiede Blickweisen vergleicht, verschiebt sich die Wahrnehmung im Wortsinne, weil man nicht weiß, was überhaupt noch wahr sein kann, jede Sichtweise eines jeden einzelnen Menschens ist für sich genommen wahr, vielleicht interessieren mich deswegen die subjektiven Eindrücke mehr als die hunderttausendste Berichterstattung, die keinem was bringt außer Halbwissen und falscher Informiertheit - fuck it.

Nun denn, in meinem Kopf springen die Gedanken im Dreieck und übertragen das Flackern über die Tastatur in den weltweiten Datenstrom; jeder Mensch eine eigene Geschichte, ein eigener Mythos, der erzählt und weitergesponnen gehört, hier ist meiner, bitte, denkt euch euer Teil, haut ihn mir um die Ohren, hasst ihn, drastische Reaktionen besser als totale Stille.

Und dann ergeben Millionen von einzelnen kleinen Stimmen die eine große Geschichte, die alles sagt und ebenso banal sein wird wie alles Erlebte an und für sich und irgendein vermeintlich wirrer aber tatsächlich hochintelligenter Kopf wird unseren Zugang zum unfassbaren Datenstrom kappen und die Kraftwerke abschalten, unsere Bequemlichkeit zerstören und wir werden im Dunkeln sitzen, das lodernde Feuer trennt uns von der Nacht und wir werden uns unglaubliche Geschichten erzählen, Geschichten, die Jahrtausende überdauern, die uns hypnotisieren, die uns zeigen werden, wie furchteinflößend Worte sein können

Bis dahin stehe ich weiter an der Kreuzung und überdenke, ob und wie ich Situationen in Worte fasse, um sie ins Daten-Nirwana zu schleudern.

Freitag, 3. Juli 2009

Selbstreflektion

stinkt.
(Ich hasse es, Reflektion mit „x“ statt „kt“ zu schreiben.)

Man kann auch als Single schön an sich selber herumkritisieren, das geht ganz wunderbar, dazu benötigt man keinen Partner. Sich immer wieder vorhalten, dass man ein kommunikativer und emotionaler Holzklotz ist, nicht in der Lage, zu flirten oder Zweideutigkeiten wahrzunehmen. Dass man außerdem bestimmten Themen lieber aus dem Weg geht, anstatt die nötige, direkte, vielleicht schmerzvolle Konfrontation zu suchen.

Auch sehr toll ist die Feststellung, viele Interessen nur halbherzig zu verfolgen. Nicht nur das Studium wie auch das Diplom meistere ich mit einem gewissen Hauch von Verachtung. Auch die schon eher kreativen Dinge, mit denen ich mich beschäftige, lasse ich schleifen – anstatt mich zu disziplinieren und mal etwas davon in eine professionellere Richtung zu drehen, was nicht unmöglich wäre.

Steht man sich mit solchen Feststellungen eigentlich mehr selber im Weg? Oder sollte das der erste Schritt sein, um die Dinge, die man an sich selbst nicht mag, zu ändern? Wie vollzieht man diesen Schritt? Ist es Leidenschaftslosigkeit, fehlender Antrieb oder schlichtweg eigene Blödheit?

Klingt natürlich alles viel zu bedeutungsschwanger und nach Selbstmitleid triefend, wo ich doch eigentlich eher ein lebensbejahender Zeitgenosse bin – trotzdem kreist das Thema immer wieder in meinem Schädel. Ergebnislos noch dazu. Bah. Nerv!

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