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Dreamy Days

Dienstag, 1. Dezember 2009

...

Und es ist vier Uhr und die Party ist am Abklingen, hier, bei Freunden in der Wohnung, wo ich auf lang ungesehene Gesichter treffe, über die ich mich weitaus mehr freue als es das meiste Herumgestehe in irgendwelchen Clubs vermag, und die meisten Gäste sind bereits gegangen, ich bin einer der letzten Übriggebliebenen und blicke fast schon auf den Grund der Flasche mit dem Sauerkirschschnaps, und ein Typ, mit dem ich das Getränk teile, gefällt mir, groß, kräftig, dunkle Haare, dunkle Augen, vielleicht ist es der Alkohol, aber der gesamte letzte Sex, ob Fickbeziehung oder One-Night-Stand, verblasst so unendlich gegen das plötzliche Bedürfnis, mit meiner Hand über seinige zu streichen, ohne Worte seine Fingerkuppen spüren zu wollen, mich in seinem Lachen zu verlieren, von seinen behaarten Armen gehalten zu werden, tatsächlich der zweite Kerl in diesem Jahr, der mich wirklich interessiert, warum habe ich ihn nicht schon früher getroffen.
Bevor er geht, leeren wir zusammen die letzten Schlucke der Flasche, er gibt mir den Deckel und für einen kurzen Moment berühren sich unsere Hände, angenehm.



(Mit zuviel Promille radele ich nach Hause, für den ersten Advent ist es erstaunlich mild, in Gedanken wiederholen sich diese Sätze, um ja nicht vergessen zu werden. Ich öffne zwei Türen, bevor ich das Fahrrad abstelle, die Treppe hochsteige, die Wohnungstür aufschließe, kacken gehe, meinen Rechner schnappe, hochfahre und diesen Text eintippe. Mittlerweile ist es fünf Uhr vierzig.)

Dienstag, 3. November 2009

Herbst

Das bunte Laub macht Spaß, der Regen hingegen nervt.
In der Straßenbahn schaue ich aus dem Fenster, auf den Opa neben mir habe ich jetzt überhaupt keinen Bock.

An der Haltestelle steht ein kleiner Junge mit seiner Mutter und schießt die Fahrgäste in der Bahn mit seinem Regenschirm ab. Ich schneide Grimassen und er lacht, meine Laune verbessert sich mit einem Schlag.

Die Bahn fährt um die Ecke und hinter der Scheibe des Buchkinderladens steht ein Mädchen auf dem Tisch und liest ihren Eltern oder den Betreuern ihre Geschichte vor. Keine fünfzig Meter entfernt verbarrikadiert sich die NPD hinter einem Stahlzaun. Die Wichser.

Mit der Abschlussarbeit ist es ein Auf und Ab, es nervt. Wer hat sich den Quatsch überhaupt ausgedacht?

Montag, 5. Oktober 2009

Zuneigung

Höchstwahrscheinlich glaubt mir das ja keiner mehr: dass ich die Feierei zugunsten dieser klitzekleinen Sache, die sich da Abschlussarbeit nennt (das D-Wort muss vermieden werden!), einschränken will. Wie auch, wenn ich wieder das halbe Wochenende vergeude, nicht vor 6 früh zu Hause bin und am Montag wie der letzte Tod aussehe?
(Verglichen mit einigen anderen Verfeierten ist das natürlich nichts - zum Glück.)

Nun, bald ist die ganze Sache offiziell angemeldet und Mitte Januar ist Abgabe. Klappt schon. Zeit, sich weniger mit Parties, Musik, Büchern, Internet,... zu beschäftigen.

Dafür die vielleicht die aus nüchtern-rationalen Blickwinkel betrachtet vergeudete Zeit als Antrieb nehmen, als Batterie, die auch mal eine Weile halten muss, bevor sie wieder aufgeladen wird.
Verschwendete Zeit - wie am Freitag, wo mitten auf der Tanzfläche das Gefühl von Zuneigung mich erfasst, ausgelöst durch die beiden sich erst angrinsenden, dann küssenden Jungs, für die einige Augenblicke lang wohl alles um sie herum ausgeblendet, versunken schien.

Oder der junge Herr, den ich am Folgetag auf einer Party kennen lernte, ohne bei den wenigen Worten über das Thema Musik hinaus zu kommen, da ich am selbigen Abend aufgrund einer Verabredung mit Freunden leider weg musste und natürlich nicht seine Nummer oder sonstiges mir habe geben lassen, aber dessen Augen und Duft mir nicht aus dem Kopf gehen...

Solche Momente hallen dann Tage später noch nach, stimmen fröhlich, verscheuchen den anhaltenden Regen. Zusammen mit etwas leichtfüßiger Musik freue ich mich seltsamerweise auf den Herbst.

Freitag, 25. September 2009

Berührung

Freitag abends sitze ich in einer Kneipe, trinke Bier und unterhalte mich mit B., drei Jahre älter, Ungar. Er erwähnt, dass er etwas erkältet ist und nun - eine Woche später - habe ich Schnupfen und ab und an Kopfschmerzen.

Gar nicht so einfach, sich ein Bild über einen Menschen zu machen, den man erst wenige Stunden kennt, aber so ist es auch interessanter. Zwiespältiger Eindruck: Er ist keine überwältigende Schönheit, aber auch nicht unattraktiv. Teilweise bewirkt er bemüht, als wolle er nichts verkehrt machen.
Während wir über übliche Themen reden, streut er hier und da Komplimente ein, etwas das ich überhaupt nicht gewohnt bin. Natürlich schmeichelhaft, ich lasse mich auch gerne rumkriegen.

Danach eine Runde durch das Viertel spazieren, zwischendurch Küsse und Händchen halten.
Möglicherweise ist er auf der Suche nach Streicheleinheiten (bin ich auch), jedenfalls will er nicht ficken (ich aber schon).
Deswegen liegt er eine halbe Stunde in meinem Zimmer, wir sind eng umschlungen, angezogen, streichelnd, küssend. Dabei das wunderbare Gefühl, neben jemanden einschlafen zu können, ohne Erklärungen, ohne Kopfzerbrechen, ohne Versprechungen, einfach einen Menschen spüren, riechen.

Seltsam ist, dass ich das seltsam finde.
Ich verstehe natürlich nicht, warum er keinen Sex möchte, akzeptiere und genieße es aber sehr.
Irgendwann ist es 2 Uhr nachts, er möchte nach Hause gehen, ich begleite ihn ein Stück und bin gegen 3 in einem Club, um das eben Erlebte mit Hilfe ganzer Berge von vor mir stehenden Boxen zu verarbeiten.

Und jetzt, eine Woche später, frage ich mich, was war das eigentlich? und weiß nicht, ob ich ihn jetzt anrufen soll.

Samstag, 12. September 2009

Addicted

Eigentlich habe ich mir ja ernsthaft vorgenommen, am Wochenende zu Hause zu bleiben, nicht zu feiern und weiter an meiner Arbeit zu ackern - allein, es will nicht so recht klappen.

Nachdem ich den Nachmittag und Abend mit Kommilitonen Kuchen und Pizza backend und essend verbrachte, schaute ich auf dem Heimweg gegen 1 im Twentyone vorbei, ein ziemlicher Prolo-Schuppen, in dem aber einmal im Monat auch schwulesbischwhatever Parties stattfinden.
Und, wie bei meinen vorhergehenden Besuchen dieser Veranstaltungsreihe, pendelt mein Stimmung zwischen angenehm, hier zu sein und was zum Geier mache ich hier.
Fehl am Platz, das trifft es. Mainstream-Publikum, ziemlich jung.

Mir fehlt die Lust, mir das alles schön zu trinken, so belasse ich es bei Bier, Cola und Kaffee, renne zwischendurch ständig aufs Klo, da mein 1A-Stoffwechsel kurzen Prozess mit dem vorangegangenen Fressgelage macht.
Anfangs checke ich den Mainfloor, lasse mich aber von Gloria Viagras Musikgeschmack in Richtung House/Techno-Floor vertreiben, wo ich mich nach und nach von der Bassdrum entführen lasse. Der DJ legt flächiges Zeug auf, sonst nicht mein Sound, aber ich habe Bock und lasse mich von jeder Spannungssteigerung fesseln, grinse bei den interessanten Stellen vor mich hin, lasse meine Wahrnehmung von den zugegebenermaßen echt geilen Lichtern verrücken.
Das geht eine Weile ganz gut, bis die unsäglich penetrante Meldodie von Mias HerzMoleküleBla ertönt und mich dazu veranlasst, mich auf einen der Sofas des Pop-Floors niederzulassen.

Gelangweilt beobachte ich die Szenerie der mir unbekannten Menschen, stelle fest, dass ich mich mit niemanden unterhalte und versuche das auch nicht ernsthaft zu ändern. Nicht, dass meine Flirt-Inkompetenz schon genug wäre: Es ist auch kaum jemand dabei, der mein Interesse weckt.

Aber der Abend hat mich wieder süchtig gemacht, süchtig nach der Bassdrum, die deine Füße antreibt, nach der Hi-Hat, die deinen Körper zum Schwingen bringt, nach den Vocals, die Euphorie in deinen Bauch brennen, nach Sounds, die dir Kraft geben und nehmen, die dich stimulieren/umwerben/trösten/verstören, die dich gleichzeitig kitzeln und peitschen, und immer wieder nach Bass, Bass, Bass, Bass, ohne den du verkümmerst.

Draußen ist es dunkel. Mal sehen, was diese Nacht bringt.

Mittwoch, 9. September 2009

Wieder dabei

Dank einer raffinierten Spiegelung in der Scheibe blendet mich die Abendsonne gleich doppelt. Obwohl es ziemlich warm ist, trage ich einen Pullover, geschuldet ist das der extrem kühl eingestellten Klimaanlage nicht dieser, sondern der vorhergehenden Straßenbahn, welche ich des Umsteigen wegens verließ.

Den Tag verbrachte ich - wie auch schon die letzten - in seiner zweiten Hälfte in einer der vielen Bibliotheken dieser Stadt. Es geht langsam aber stetig voran mit meiner Abschlussarbeit, trotzdem nervt's.
Zwischendurch sitze ich an einem der Rechner in der Bibliothek und grinse in mich rein, weil ich aus einem Anfall von Anspruchs-Verweigerung "Möse" und "Puller" in die Katalogrecherche eingebe und mich an den Resultaten erquicke. Hihi, schon doof, wenn man ersteres Wort als Nachnamen trägt und zu allem Überfluss auch noch Bücher veröffentlicht.

Lustigerweise treffe ich die Tage bekannte Gesichter aus Schulzeiten, das tut der Seele gut.

Deswegen auch etwas sonnige Musik.

Sonntag, 6. September 2009

Zurück

In der Plattenbau-Gegend am Rande der Stadt läuft bratziger Elektro. Ich stehe in dem neuen linken Jugendzentrum und trinke ne Cola. Der Laden ist ziemlich leer und das ändert sich in den kommenden Stunden kaum, ein Freund ist in dem Projekt irgendwie involviert. Sieht nicht so aus, als würde man hier viel Publikum gewinnen.

Vorher war hier mal ein anderer Jugendclub, der aber von der Stadt dicht gemacht wurde und die Clique, die sich dort immer traf, sitzt nun unter so einer Art Unterstand herum, gleich daneben, an einem kleinen Fußballplatz. Mit einem der Jungs unterhalte ich mich, wir stellen fest, dass er eine Stufe unter mir an derselben Schule war. Er ist betrunken, ist LOK-Fan, trägt Lonsdale-Pullover und Handschuhe, die bei Schlägereien bestimmt nützlich sein können.
Ein Problem mit dem Laden hat er nicht, eher mit der Einlass-Politik, die bestimmte konträre politische Ansichten nicht dulden will. Als Sozialdemokrat würde er sich bezeichnen, mit nationalen Anhang. Auch mal was Neues. Trotzdem haben die Typen Schlägereien mit Nazis hinter sich, teilweise mit Waffen und sind der Grund, dass das neue Zentrum bisher nicht von denen gestürmt wurde.

Irgendwann zwischendurch sage ich mir, aber nicht ihm, "Alter, die Stadt bietet so dermaßen viel Möglichkeiten und Entdeckungen und du sitzt mit Anfang-Mitte zwanzig hier an nem Scheiß-Unterstand herum!" Ich check's nicht! Parallel-Gesellschaft wahrscheinlich.
Ich gehe wieder hinein, vorbei an der Tür, bei der versucht wurde, eine Scheibe einzuschlagen.
Ach ja, mir kommt der Laden also schon sympathisch vor, nur an ein langes Bestehen will ich nicht so recht glauben.

Um zwei Uhr habe ich die Schnauze voll und verschwinde wieder in mein gemütlichereres Viertel. Eine Straße von meinem Bett entfernt ist noch was los, eine leerstehende Wohnung in einem Hippie-Haus beschert mir Bier und sinnvolllose Gespräche, während eine Jazzband improvisiert. Später sehe ich den Musikern zu, unglaublich wie die sich aufeinander einspielen, sehr entspannter Vibe. Totales Kontrastprogramm zu den vorhergehenden Stunden. Nette Kerle springen hier herum, ich nehme mir auf dem Nachhauseweg vor, öfter vorbei zu kommen.

Montag, 31. August 2009

Ego

Ich schiebe mir ein Stück des in Tomatensoße schwimmenden Fischs auf die Gabel und versuche es mit einem Teil der zerstörten Kartoffel zu ergänzen, was nicht so recht gelingt. K. sitzt mir gegenüber und verspeist dieselbe Mahlzeit. Er hatte mich spontan zum gemeinsamen Mensa-Essen überredet.
Es ist immer seltsam, ihn zu sehen. Wir können uns nicht lange in die Augen blicken.
Er ist der Grund für mein Unfall-ähnliches Coming-Out, als ich mich in der 9.? Klasse in ihn verliebte, so als ob mir jemand mit einem Vorschlaghammer Kopf, Bauch und Herz bearbeitet hätte. Irgendwie haben wir ein freundschaftliches Verhältnis, blenden aber die Vergangenheit aus, soweit sie uns beide betrifft. Keine Ahnung, wie ich das bewerten soll.

Dann, nachmittags fahre ich mit einem zur Realität gewordenen Klischee nach Berlin. In Prenzlberg ansässiger Yuppie-Schwabe, der dann auch noch die Autobahnabfahrt nach Berlin hinein verpasst. Aber ich mag ja Absurditäten.

Absurd ist auch die Behauptung, Kraut rauchen wäre ein Gemeinschaftserlebnis, das hörte ich früher zu Schulzeiten oft auf den Kiffer-Parties, die dann eigentlicht keine Parties waren. Es stimmt nicht. Es ist auch nur eine Ego-Droge. Ich sitze dann doch lieber abends alleine da und rauche eine Tüte mit dem neulich gefundenen Gras und lasse die letzten Tage Revue passieren.

Tiefgekühlter Wodka müsste auch noch da sein.

Sonntag, 30. August 2009

Wochenende

Eigentlich auch ganz nett, ein Wochenende in Berlin zu verbringen und eben gerade nicht die Szene zu checken - egal, ob homo, elektronisch oder beides.

Dafür dann lieber in einer Neuköllner Eck/Stammkneipe landen und Schnaps aufs Haus trinken. Hihi.

Mittwoch, 26. August 2009

Zwischenstand

In den Tag hineinleben.

Kühle Abendluft genießen.

Grillen mit Freunden zum Alltag machen.

Andere Städte besuchen.

Nachrichten ignorieren und gut damit leben.

WIrtschaftskrise ignorieren und gut damit leben.

Schweinegrippe ignorieren und gut damit leben.

Wodka-Flaschen leerend Wahlplakate abreißen.

Musik.

Vom Bass die Richtung weisen lassen.

Lieber unter freiem Himmel tanzen.

Leckere Männer bestaunen.

Tüten rauchend einen runterholen.

Am Schwulenstrand rumhängen.

Verantwortung aufschieben.

Mal wieder malen gehen.

...


Es ist wohl nur noch eine Frage von Wochen oder Tagen, bis der Herbst zurück in die Stadt schleicht. Dann wird es Zeit in den Kokon zurückzukehren und die Abschlussarbeit ernsthaft anzugehen. Bis dahin noch der Sommer.


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Und es ist vier Uhr und...
Und es ist vier Uhr und die Party ist am Abklingen,...
kaput - 1. Dez, 11:51
Herbst
Das bunte Laub macht Spaß, der Regen hingegen...
kaput - 3. Nov, 19:09
herpst gutt.
herpst gutt.
500beine - 14. Okt, 14:43
Zuneigung
Höchstwahrscheinlich glaubt mir das ja keiner...
kaput - 5. Okt, 23:49

Das Herumgestöbere

 

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Zuletzt aktualisiert: 1. Dez, 11:52

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